Rebsorten in Deutschland


Deutschland ist Weinland, auch wenn es meist eher als Bierland angesehen wird, es bietet als Weinland einen unglaublichen Facettenreichtum und eine einzigartige Vielfalt. Nicht zuletzt deswegen, aber vor allem auch wegen der sehr hohen Qualitäten, die hier produziert werden braucht es den Vergleich mit anderen Weinbaunationen nicht zu scheuen [eine Erkenntnis, die sich allerdings leider noch nicht in allen Köpfen eingenistet hat]. Besonders beeindruckend ist die große Vielfalt unterschiedlicher Rebsorten seien sie nun rot oder weiß. Die Weinregionen Deutschalnds reichen von Saale-Unstrut und Ahr im Norden über den Mittelrhein, die Mosel und den Rheingau sowie Nahe, Rheinhessen, die Hessische Bergstraße, Pfalz, Sachsen und Franken bis hinunter zu den „Südlichtern“ Württemberg und Baden. Sie alle bieten neben ihren traditionellen Rebsorten wie Riesling, Elbling, Lemberger, Trollinger und Spätburgunder auch neue Rebsorten an, seien es nun neue Kreuzungen, die zumeist in deutschen Weinbauschulen entstanden oder auch neu eingewanderte Rebsorten.


Kaum ein Land in dem Wein angebaut wird verfügt über eine solche Rebsortenvielfalt wie Deutschland. Annähernd 140 Rebsorten werden in Deutschland angebaut und ähnlich viele sind auch vom Bundessortenamt für die Weinproduktion zugelassen. Bei dieser enormen Vielfalt verwundert es nicht, dass auf den nur gut 100.000 Hektar Rebfläche längst nicht alle Rebsorten in großer Menge angebaut werden. Viele Sorten fristen eine Nischenexistenz bei nur ein paar wenigen Winzern, wie etwa der Rondo, eine rote Neuzüchtung, der Ehrenbreitsteiner, eine weiße Neuzüchtung oder noch extremer der Wildmuskat, der gar nur bei einem einzigen Weingut existiert. Man muss also zum Teil sehr lange suchen, um einen Winzer zu finden, der diese Rebsorten im Angebot hat.

Breit könnte also die Auswahl der Weine sein, die man in Deutschland erhält, aber das ist nur die Theorie; in der Realität beherrschen „nur“ gut 30 Rebsorten den Markt. Es sind dies:



  •     Acolon, rote Rebsorte
  •     Bacchus, weiße Rebsorte
  •     Cabernet Dorsa, rote Rebsorte
  •     Cabernet Mitos, rote Rebsorte
  •     Cabernet Sauvignon, rote Rebsorte
  •     Chardonnay, weiße Rebsorte
  •     Domina, rote Rebsorte
  •     Dornfelder, rote Rebsorte
  •     Dunkelfelder, rote Rebsorte
  •     Elbling, weiße Rebsorte
  •     Faberrebe, weiße Rebsorte
  •     Frühburgunder, rote Rebsorte
  •     Gewürztraminer, weiße Rebsorte
  •     Grauburgunder, weiße Rebsorte
  •     Gutedel, weiße Rebsorte
  •     Huxelrebe, weiße Rebsorte
  •     Kerner, weiße Rebsorte
  •     Lemberger, rote Rebsorte
  •     Merlot, rote Rebsorte
  •     Morio Muskat, weiße Rebsorte
  •     Müller-Thurgau, weiße Rebsorte
  •     Ortega, weiße Rebsorte
  •     Portugieser, rote Rebsorte
  •     Regent, rote Rebsorte
  •     Riesling, weiße Rebsorte
  •     Sauvignon Blanc, weiße Rebsorte
  •     Scheurebe, weiße Rebsorte
  •     Schwarzriesling, rote Rebsorte
  •     Silvaner, weiße Rebsorte
  •     Spätburgunder, rote Rebsorte
  •     St. Laurent, rote Rebsorte
  •     Trollinger, rote Rebsorte
  •     Weißburgunder, weiße Rebsorte


Von diesen insgesamt 33 Rebsorten gibt es nochmals zwei, die deutlich hervorstechen: Riesling und Müller-Thurgau, auch Rivaner genannt. Der Riesling ist definitiv des Deutschen liebstes Kind. Es ist die wohl deutscheste Rebsorte und wird hierzulande nicht ohne Grund auch „König der Reben“ genannt. Gemeinsam mit dem Brot-und-Butter-Wein Müller-Thurgau beherrscht er etwa 30 % der gesamten deutschen Rebfläche!

Im Gegensatz dazu schon beinahe weit abgeschlagen landen die beiden beliebtesten roten Rebsorten Spätburgunder und Dornfelder.


Aber da es in Deutschland so viele wunderbare Rebsorten gibt, die zum Teil eher ein Nischendasein fristen und dennoch eine Erwähnung und Beschreibung wert sind, werde ich mich auch ihnen widmen. Jenen verkannten, nicht so hoch gelobten und vielleicht gerade deswegen besonders spannenden Rebsorten.
Und so entsteht hier eine hoffentlich wachsende Liste von eher seltenen und dennoch erwähnenswerten Rebsorten:


Weiße Rebsorten in Deutschland



Deutschland ist ein klassisches Weißweinland, auch wenn man längere Zeit versuchte etwas Anderes darzustellen. Etwa 65 Prozent der deutschen Rebflächen sind mit Weißweinen bestockt und die meisten der 13 deutschen Anbaugebiete sind in erster Linie vom Weißwein geprägt. Gefühlt seit Menschengedenken wird Deutschland mit Weißwein gleichgesetzt. Berühmt wurde vor allem der Rheinwein, der traditionell ein Weißwein ist. Er wurde besungen und war so manches Mal das Lieblingsthema der Dichter [übrigens nicht nur der deutschen].


Schon Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803) schrieb über den Rheinwein:



    „Rheinwein, von ihnen hast du die edelste,
    Und bist es würdig, daß du des Deutschen Geist
    Nachahmst! bist glühend, nicht aufflammend,
    Taumellos, stark, und von leichtem Schaum leer.“ Klopstock 1, 113



Ludwig Hölty (1748-1776), ein aus Mariensee am Neustädter See, stammender volkstümlicher Dichter, setzte dem Rheinwein mit seinem „Trinklied beim Rheinwein“ ein Denkmal und schloss sein Gedicht mit dem Ausruf:



    „Es lebe jeder deutsche Mann,
    Der seinen Rheinwein trinkt,
    So lang' ers Kelchglas halten kann,
    Und dann zu Boden sinkt.“

Der Amerikaner Mark Twain hingegen war wohl kein besonderer Freund des Rheinweins, sonst wären ihm wohl kaum die folgenden Zeilen entschlüpft:

    „Die Deutschen lieben Rheinwein.
    Er wird in schlanke Flaschen gefüllt
    und für ein Getränk gehalten.
    Von Essig unterscheidet er sich
    durch das Etikett.“



Von einem der bekanntesten Rebenzüchter, nämlich von Peter Morio (1887-1960) stammt der Bacchus. Er wurde im Jahr 1933 aus den Rebsorten Silvaner, Riesling und Müller-Thurgau gekreuzt. Erst knapp 40 Jahre später, im Jahr 1972 erhielt der Bacchus Sortenschutz und seine offizielle Zulassung.


Chardonnay


Chardonnay, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Zwar schon recht alt, aber in Deutschland noch nicht sehr lange verbreitet ist er Chardonnay. International ist er die wohl erfolgreichste Rebsorte. Auch sein Ursprung liegt in Vorderasien. International ist die Anbaufläche des Chardonnay beinahe identisch mit der des Rieslings.



Auf eine beinahe genauso lange Geschichte wie der Gutedel kann der Elbling zurückblicken, der von den Römern „Vitis alba“ - „die weiße Rebe“ genannt wurde. Heute findet sich diese einstmals so beliebte Rebsorte vor allem an der südlichen Mosel, wo sie hervorragende Wachstumsbedingungen vorfindet.


Elbling


Elbling vom Weingut Biewers, Foto: Anja Kircher-Kannemann




Faberrebe


Faberrebe, Foto Anja Kircher-Kannemann

Die deutschen Rebenzüchter des 20. Jahrhunderts waren wohl die bedeutendsten ihrer Zunft und zu den wichtigsten unter ihnen zählt Georg Scheu (1879-1949). Verantwortlich zeichnet er nicht nur für Kerner und Scheurebe, sondern auch für die deutlich weniger bekannte Faberrebe, die nichts mit dem berühmten Sekt gleichen Namens zu tun hat. Die Faberrebe ist eine Kreuzung aus Weißburgunder und Müller-Thurgau. Inzwischen ist ihr Anbau in Deutschland stark rückläufig und irgendwie ist sie unmodern geworden, auch der Versuch einiger Winzer ihr unter dem Label „Relaunch F“ neues Leben einzuhauchen blieb bisher leider fruchtlos.


Relaunch F




Emblem des "Relaunch F"



Ebenfalls schon älter und mit langer Tradition versehen ist der Gewürztraminer, der seit dem 15. Jahrhundert in Deutschland angebaut wird. Die lange Tradition bescherte ihm auch eine reichliche Anzahl von Namen: Das Bundessortenamt nennt ihn „Roter Traminer“ und in Baden ist er gemeinhin als „Clevner“ bekannt.


Ein Mitglied der berühmten Familie der Burgunder ist der Grauburgunder und auch er hat – wie alle Burgunderarten - da weltweit verbreitet mehrere Namen, die bekanntesten sind Pinot gris und Pinot grigio. In Deutschland ist er mit knapp 5.000 Hektar Anbaufläche noch etwas verbreiteter als der Weißburgunder.





Grauer Burgunder, Foto: Anja Kircher-Kannemann



Ganz im Gegenteil zu vielen der vorher erwähnten „Frischlingen“ gilt der Gutedel als älteste Kulturrebe der Welt. Seit mehr als 5000 Jahren wird er in vielen Regionen der Welt angebaut. Seinen Ursprung hatte der Gutedel wahrscheinlich in Palästina von wo aus diese Rebsorte dann durch Griechen und Römer weltweit verbreitet wurde.


Ja, man kommt nicht um ihn herum, den guten alten Georg Scheu (1879-1949), denn auch bei dieser Rebsorte ist er der „Vater“: es handelt sich um die Huxelrebe, eine Kreuzung aus Gutedel und Courtiller Musqué. Gemeinhin wird diese Rebsorte ausschließlich lieblich bzw. edelsüß ausgebaut, aber es gibt auch (zumindest) einen Winzer, der einen anderen Weg geht. Es ist dies Rainer Schlumberger aus Baden. Er hat den Mut eine trockene Huxelrebe zu machen und die ist einfach großartig!


Ebenfalls eine Neuzüchtung ist der Kerner. Wir verdanken diesen ausgesprochen feinen und aromatischen Wein, wie so viele andere erfolgreiche Neuzüchtungen, dem Rebenzüchter August Herold (1902-1973). Benannt wurde die Rebsorte nach dem Dichter und Arzt Justinus Kerner (1786-1862).

Kerner, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Peter Morio (1887-1960) ist nicht nur der Namensgeber, sondern auch der Züchter des Morio-Muskat. Im Jahr 1928 kreuzte Peter Morio die Rebsorten Silvaner und Gelber Muskateller und so entstand eine weitere weiße Rebsorte mit intensiver Muskatnote. Auch der Morio, wie er liebevoll von Fans genannt wird, wird meist nur lieblich oder edelsüß in Flaschen gefüllt. Man muss lange suchen, um eine trockene Variante zu ergattern, aber seine intensiven Aromen machen ihn vor allem trocken zu einem überaus spannenden und facettenreichen Weißwein.

Morio Muskat, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Der Müller-Thurgau hingegen verdankt seine Existenz einem gewissen Hermann Müller (1850-1927) und hat es noch nicht so mit Tradition und Geschichte, dafür aber ist er eine unglaubliche Erfolgsstory. Hermann Müller war Rebenzüchter, stammte aus dem Schweizer Kanton Thurgau und so ergab sich der Name der neuen Rebsorte. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Müller-Thurgau gezüchtet, erlebte einen rasanten Aufschwung und wächst heute in Deutschland auf rund 13.500 Hektar.

Müller-Thurgau, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Man glaubt es kaum, aber außer Georg Scheu und Peter Morio gab es in der Tat noch andere Rebenzüchter in Deutschland, die erfolgreiche weiße Rebsorten gezüchtet haben. Einer von ihnen war Hans Georg Breider (1908-2000). Im Jahr 1948 kreuzte er Müller-Thurgau und Siegerrebe und benannte das Ergebnis dieser Kreuzung nach seinem Lieblingsphilosophen José Ortega y Gasset (1883-1955) schlicht Ortega.



 „König der Reben“ in Deutschland ist und bleibt der Riesling. Er ist als eine der wenigen Rebsorten in allen deutschen Anbaugebieten zuhause. Mit einer Rebfläche von mehr als 23.400 Hektar repräsentiert er wie keine zweite Rebsorte die deutsche Weinkultur und mit einer Geschichte, die urkundlich belegt bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht, ist diese natürliche Kreuzung aus Heunisch × Vitis vinifera subsp. sylvestris und einem Traminer-Klon wohl tatsächlich eine der Urmütter des deutschen Weinbaus.

Riesling, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Auch er ist ein Einwanderer aus südlichen Gefilden, der Sauvignon Blanc. Ursprünglich stammt er aus dem Südwesten Frankreichs, wo er bereits im Jahr 1710 erstmals erwähnt wurde. Der Sauvignon zählt zu den erfolgreichsten Neueinwanderern in Deutschland und bringt es auf eine Anbaufläche von etwa 600 Hektar. Mittlerweile gedeiht er in Deutschland derart gut, dass die deutschen Sauvignon Blancs auch international ausgesprochen erfolgreich sind.
Sauvignon Blanc, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Georg Scheu (1879-1949), bedeutender Rebenzüchter und Gartenbautechniker ist der Vater und Namensgeber der weißen Rebsorte Scheurebe. Sie zählt zu den erfolgreichsten Neuzüchtungen des vergangenen Jahrhunderts und feierte 2016 ihren 100.Geburtstag!

Scheurebe, Foto: Anja Kircher-Kannemann



Anders als beim Müller-Thurgau ist über die Herkunft des Silvaners, auch „Grüner Silvaner“ genannt, nicht viel bekannt. Er scheint eine natürliche Kreuzung aus Traminer und „Österreichisch Weiß“ zu sein und seine Herkunft in der Alpenregion zu haben; genaues aber weiß man nicht.
Silvaner, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Weißburgunder, Pinot blanc, Pinot bianco, er hat viele Namen dieser bedeutende Vertreter der berühmtesten Rebenfamilie: „Burgunder“. Gut 4.000 Hektar sind inzwischen in Deutschland mit dieser Rebsorte bestockt.

Weißburgunder, Foto: Anja Kircher-Kannemann






Rotwein Rebsorten in Deutschland


Ich hatte es bereits gesagt: Eigentlich ist Deutschland traditionelle ein Weißweinland, doch in den 1990er und 2000er Jahren war ein ungeheurer Trend hin zu roten Rebsorten zu verzeichnen. Inzwischen scheint sich dieser Trend auf einem für Deutschland recht hohen Niveau stabilisiert zu haben, neueste Zahlen deutschen sogar an, dass der Trend rückläufig ist und wieder vermehrt Weißweine neu angepflanzt werden.


Soweit das Gesamtbild: Einige Regionen Deutschlands aber sind traditionelle Rotweinanbaugebiete. Zu nennen ist hier, folgt man dem Alphabet, zunächst die Ahr: Sie gilt als eines der besten Anbaugebiete für Spätburgunder weltweit. Auch das südlich gelegene Anbaugebiete Württemberg ist eine traditionelle Rotweinregion: Hier finden sich Rotweinsorten, die es sonst nirgendwo gibt und für die Württemberg berühmt ist, so vor allem für das württembergische Nationalgetränk Trollinger. Aber auch Lemberger und Schwarzriesling sind hier zuhause und genießen ein hohes Ansehen.

Eine der jüngsten aber auch entwicklungsfähigsten roten Rebsorten ist der Acolon. Gekreuzt wurde er 1971 an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg von Bernd Hill. Erst im Jahr 2002 erhielt der Acolon seine Zulassung und erlebte seither einen beeindruckenden Aufstieg. Gekreuzt aus Dornfelder und Lemberger ist ein außerordentlich kräftiger und dennoch harmonischer Rotwein.


Wie der Name schon vermuten lässt ist er ein Kind unseres westlichen Nachbarlandes Frankreich, der Cabernet Sauvignon. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er im Jahr 1635. Während der Cabernet Sauvignon weltweit die siebthäufigste Rebsorte ist, nimmt er in Deutschland aktuell nicht einmal 0,5  Prozent der bestockten Rebfläche ein, er hat halt eine Menge Konkurrenten, darunter die beiden folgenden Rebsorten:


Cabernet heißen auch sie, denn sie galten als eine neue Kreuzung aus dem Cabernet Sauvignon. Zuvörderst der Cabernet Dorsa. Bernhard Schleip und Bernd Hill stellten diese neue Kreuzung 1971 vor. Inzwischen erwiesen DNA-Analysen, dass der Cabernet Dorsa seinen Namen zu Unrecht trägt und realiter eine Kreuzung aus Lemberger und Dornfelder ist.


Ähnliches gilt auch für den Cabernet Mitos, der laut DNA-Analyse eine Kreuzung aus Lemberger und Teinturier du Cher ist und übrigens die gleichen menschlichen Väter hat, wie der Cabernet Dorsa.


Etwas anrüchig klingt der Name der Kreuzung aus Blauem Portugieser und Spätburgunder: Domina nannte man sie und erdacht wurde sie vom bereits mehrfach erwähnten Peter Morio (1887-1960) im Jahr 1927.


Eine noch nicht so bekannte aber besonders farbintensive Neuzüchtung ist die rote Rebsorte Dunkelfelder. Gekreuzt wurde sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Gustav Adolf Fröhlich (1847-1912) aus Blauem Portugieser und der Färbertraube. Zunächst nur als Deckrotwein gedacht, wird der Dunkelfelder heute vor allem zu schweren Rotweinen verarbeitet, die eine lange Reifezeit im Holzfass benötigen.


Eine der beiden wichtigsten roten Rebsorten, die es heute in Deutschland gibt ist der Dornfelder, er ist die sicherlich erfolgreichste Neuzüchtung der letzten Jahrzehnte. 1955 wurde er von August Herold (1902-1973) aus den Sorten Helfensteiner (Kreuzung aus Frühburgunder und Trollinger) und Heroldrebe (Kreuzung aus Portugieser und Lemberger) gekreuzt, trat bald seinen Siegeszug an und ist heute eine der umstrittensten Rebsorten überhaupt. Umstritten weil er zwar bei Winzern und vielen Weintrinkern beliebt ist, bei Fachleuten aber als qualitativ geringwertige Rotweinsorte gilt.
Dornfelder, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Die Ahr ist seine Heimat und er ist eine natürliche Mutation des Spätburgunders: der Frühburgunder. Seinen Namen verdankt er der Tatsache, dass er im Regelfall 14 Tage früher reif ist als sein berühmter Verwandter der Spätburgunder. Alljährlich findet an der Ahr das so genannte Frühburgunder-Forum statt, um dieser alten Rebsorte eine Plattform zu bieten.


Württemberg ist die traditionelle Heimat des (Blauen) Lemberger. Aber auch in Österreich ist er zu finden und hier unter dem Namen „Blaufränkisch“ bekannt. Ihre Heimat hat die rote Rebsorte wohl am Unterlauf der Donau, von wo aus sie im 19. Jahrhundert nach Württemberg kam, wo ihr Anbau in besonderem Maße gefördert wurde.


Seit dem 14. Jahrhundert ist diese rote Rebsorte belegt, in Deutschland allerdings darf sie erst seit 1997 angebaut werden, aber international ist sie eine der erfolgreichsten Rebsorten überhaupt. Die Rede ist vom Merlot. Es sind meist schwere und aromatische Rotweine, die aus ihm entstehen, allerdings hat die Massenproduktion seinem Ruf in den letzten Jahren weltweit sehr geschadet.
Merlot, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Unter den Rotweinen gilt vor allem der Portugieser als leichter und süffiger Schoppenwein, der gekühlt auch im Sommer gut zu trinken ist. Seit dem 19. Jahrhundert wird er in Deutschland angebaut und so langsam aber sicher finden sich einige Winzer, die dem Portugieser ein neues Image verleihen und aus ihm einen kräftigen, intensiven und tiefroten Wein kreieren.

Blauer Portugieser, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Zu den erfolgreichen Rotweinneuzüchtungen gehört neben dem Dornfelder auch der Regent. Gekreuzt wurde er 1967 am Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof aus den Rebsorten Silvaner mal Müller-Thurgau und Chambourcin (ja, nicht wundern, das sind in Teilen Weißweinrebsorten du am Ende kommt ein Rotwein dabei heraus). Das Ergebnis dieser zunächst skurril anmutenden Kreuzung ist eine Rebsorte, die außerordentlich südländisch anmutende Weine ergibt mit viel Volumen und Farbe.
Regent, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Der Heilige Laurentius stand Pate für diese sehr alte Rotweinsorte, die von einem Pfälzer Winzer vor dem Aussterben rettete. Warum der Rotwein ausgerechnet nach einem Heiligen benannt wurde, fragen Sie sich? Nun, ganz einfach der Gedenktag des Heiligen Laurentius ist der 10. August und um diesen Tag herum ist in den meisten Jahren die Traubenreife des Sankt Laurent zu verorten.


Der Schwarzriesling ist, ähnlich wie Trollinger und Lemberger ein Württemberger Kind. Trotz seines Namens ist er in keiner Weise mit dem Riesling verwandt, sondern stellt eine natürliche Mutation des Spätburgunders dar.


Der Klassiker unter den roten Rebsorten ist und bleibt der Spätburgunder, der in anderen Ländern unter der Bezeichnung Pinot noir Bekanntheit erlangt hat. Aus der großen Familie der Burgunderweine stammend, ist er im Rotweinbereich das, was der Riesling unter den deutschen Weißweinen ist: der Klassiker schlechthin! Karl der Dicke war es, der diese Rebsorte im Jahr 884 an den Bodensee brachte von wo aus sie ihren Siegeszug in Deutschland antrat.
Spätburgunder, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Bereits erwähnt wurde das Nationalgetränk der Württemberger: der Trollinger. Diese traditionelle Rebsorte wurde bereits von den Römern in Deutschland eingeführt und galt lange als minderwertiger Wein, doch seit einigen Jahren wandelt sich sein Image, was nicht zuletzt einer Initiative von Winzerinnen und anderen aus der Weinwirtschaft stammenden Frauen zu verdanken ist, die unter dem Slogan „Der Trollinger – aus Evas Hand“ diese Traditionsrebsorte entstauben und ihr so neues Leben einhauchen.
Der Trollinger aus Evas Hand, Weingut Golter, Foto: Anja Kircher-Kannemann




Deutsche Weinanbaugebiete und ihre Rebsorten


Schon bei der Vorstellung der Rebsorten war es zu bemerken: Nicht jede Rebsorte geht in jedem Anbaugebiet und nicht jedes Anbaugebiet ist gleich gut für Rot- und für Weißweine geeignet, so verwundert es nicht, dass so manches Weinanbaugebiet seine speziellen Rebsorten hervorgebracht hat. Die vielen unterschiedlichen Böden und Klimabereiche der 13 deutschen Anbaugebiete ermöglichen eine ungeheure Vielfalt an Rebsorten zu kultivieren. Dabei hat jedes Anbaugebiet seine Spezialitäten, die zum Teil nur hier in außerordentlichen Qualitäten vorzufinden sind.


Rebsorten Ahr: Rotwein, genauer gesprochen Spätburgunder ist das Kerngeschäft der Ahr. Nahezu nirgends sonst auf der Welt gedeiht er so gut wie hier. Daneben finden sich aber auch Frühburgunder und Portugieser an der Ahr. Manch mutiger Winzer scheut auch den Anbau von Riesling nicht, aber dennoch spielen die weißen Rebsorten hier nur eine sehr untergeordnete Rolle.
Ahr, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Rebsorten Baden: Auch in Baden ist der Spätburgunder die Hauptrebsorte. Daneben sind es Müller-Thurgau, Grauburgunder, Weißburgunder, Riesling und der quasi nur hier heimische Gutedel, die den Ton angeben.


Rebsorten Franken: Franken ist Silvanerland, so das Image und dennoch ist es der Müller-Thurgau, der hier am häufigsten angepflanzt wird. Neben diesen beiden Sorten ist seit einigen Jahrzehnten vor allem der Bacchus zu einem echten Franken geworden und wird hier gerne auch trocken ausgebaut.


Rebsorten Hessische Bergstraße: Selbst das kleinste deutsche Anbaugebiet die Hessische Bergstraße hat auf ihren nur gut 400 Hektar Rebfläche eine außerordentliche Vielfalt anzubieten: neben Riesling und Spätburgunder geben vor allem Grauburgunder und Müller-Thurgau den Ton an.


Rebsorten Mittelrhein: Der Mittelrhein ist eine klassische Rieslingregion. Aber, man mag es kaum glauben, auch am Mittelrhein gibt es Rotwein, so etwa am Patersberg, hier ist sogar eine klassische Rotweinregion, die Frage ist nur leider wie lange noch. Neben dem Riesling findet man am Mittelrhein vor allem Müller-Thurgau.
Mittelrhein - Blick auf den Drachenfels, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Rebsorten Mosel: Wenn es das Rieslingsgebiet schlechthin in Deutschland gibt, dann ist es wohl die Mosel mit ihren Nebenflüssen Saar und Ruwer. Aber insbesondere an der Saar und auch an der südlichen Mosel findet sich auch der Elbling. Ergänzt wird das Sortiment vor allem durch Müller-Thurgau und in den letzten Jahren vermehrt durch zum Teil exzellente Rotweine, die man noch vor wenigen Jahrzehnten der Mosel nie zugetraut hätte.
Mosel - Blick auf Bernkastel-Kues, Foto: Anja Kircher-Kannemann

Rebsorten Nahe: Riesling und Müller-Thurgau sind auch an der Nahe die bestimmenden Rebsorten. Daneben finden sich vor allem Dornfelder, Silvaner und Spätburgunder.


Rebsorten Pfalz: Eine der größten Vielfalten an Rebsorten findet sich im zweitgrößten deutschen Anbaugebiet, der Pfalz: Neben Riesling und Dornfelder wachsen hier Müller-Thurgau, Portugieser, Spätburgunder, Grauburgunder, Kerner und Weißburgunder und viele viele andere Rebsorten, die nahezu jedes Jahr weiter ausgebaut und durch noch andere Rebsorten ergänzt werden.


Rebsorten Rheingau: Riesling soweit das Auge reicht findet man auch im Rheingau. Von den gut 3.100 Hektar Rebfläche im Rheingau sind über 2.400 mit Riesling bestockt. Der Spätburgunder mit gut 370 Hektar fällt da schon kaum mehr ins Gewicht.

Rheingau, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Rebsorten Rheinhessen: Die größte Rebsortenvielfalt findet sich – wen wunderts – im größten deutschen Anbaugebiet: Rheinhessen. Müller-Thurgau und Riesling sind auch hier die bestimmenden Rebsorten. Daneben treten Dornfelder, Silvaner, Portugieser, Spätburgunder, Grauburgunder, Kerner und Weißburgunder sowie viele andere neue und alte Rebsorten, wie Barbera, Syrah und viele andere, dem Klimawandel sei dank.
Rheinhessen: Gau-Bickelheim, Foto: Anja Kircher-Kannemann

Rebsorten Saale-Unstrut: Im nördlichsten deutschen Anbaugebiet ist vor allem der Müller-Thurgau zuhause. Ergänzt wird das Rebsortenspektrum durch Weißburgunder, Riesling, Silvaner, Dornfelder und Portugieser.


Rebsorten Sachsen: Im östlichsten deutschen Anbaugebiet beherrschen Müller-Thurgau und Riesling die Weinberge. Daneben finden sich insbesondere Weißburgunder und Grauburgunder.


Rebsorten Württemberg: Württemberg ist, wie bereits erwähnt, Rotweinland und die Hauptrebsorte ist und bleibt der Trollinger gefolgt von Riesling, Schwarzriesling, Lemberger und Spätburgunder.


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